Der Pilger

Mittelrheinmuseum, Koblenz 2014
Nexus 2
Künstler im Dialog mit Werken eines Museums
Holzfigur um 1500, 12 Koffer und 12 Handschuhe

Die Figur des Pilgers ohne Hände hat mich schon bei meinem ersten Besuch der Sammlung berührt. Es ist anzunehmen, dass die Figur ursprünglich mit Händen versehen war. Doch gerade das Fehlen der Hände bewegt meine Gedanken beim Betrachten der Figur. Ich stelle mir die Frage was die Hände des Pilgers ursprünglich einmal gemacht haben. Hielten sie ein Gepäckstück, einen Wanderstab? Zeigten sie in eine Richtung? Ballten sie entschlossen die Fäuste? Öffneten sie sich zu einer bittenden Geste?
Darüber hinaus erscheint mir das Fehlen der Hände selber als eine sehr spannende, mehrdeutige, symbolische Ebene. Der Pilger hat keinen „Zugriff mehr auf die Welt. Er kann sie nicht mehr fassen, nicht mehr gestalten, nur noch betrachten. Ist dies Anlass seiner Pilgerschaft? (Weil er die Welt nicht mehr begreifen kann.) Oder ist es die Vorraussetzung um zu Pilgern? (Er muss loslassen.)  Oder ist es das Ergebnis seines Weges? (Er kann loslassen.)
Mir war klar, dass mein künstlerischer Kommentar zu dieser Figur auf das Fehlen der Hände zielen musste um so eine neuen, tieferen Blick auf die Gestalt des Pilgers und den Prozess des Pilgerns zu ermöglichen. Nach mehreren Skizzen und Experimenten bin ich zu dem Ergebnis  gekommen dass, die Konfrontation mit alltäglichen Dingen eine größere „Reibung zu der Figur erzeugt, als künstlerisch gestaltete Dinge. Ich habe dem Pilger Fundstücke zur Seite gestellt. Es sind Gepäckstücke und Handschuhe, die ich an unterschiedlichen Orten und in unterschiedlichen Kontexten gefunden habe. Die Handschuhe umgreifen jeweils ein Gepäckstück und nehmen damit Bezug auf die Figur. Sie bringen das ins Spiel was der Pilger braucht oder eben nicht mehr braucht, was er ergreifen muss oder loslassen kann.

Franziskus Wendels